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Parkes, Nii (Ghana/GB)

 

bienenfresserDie Spur des Bienenfressers

Aus dem Englischen von Uta Goridis

Unionsverlag, Zürich 2010

Signatur: Lit Afr 308

Gast bei den "Stimmen Afrikas" am 3. April 2011

 

»Eine glänzende Mixtur aus afrikanischer Kultur, westlicher Wissenschaft, mystischem Zauber und schalkhaftem Humor.« The Bookbag

 

Über das Buch

Sonokrom, ein Dorf im Hinterland Ghanas, hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Hier spricht man noch die Sprache des Waldes, trinkt aphrodisierenden Palmwein und wandelt mit den Geistern der Vorfahren. Doch eine verstörende Entdeckung und das gleichzeitige Verschwinden eines Dorfbewohners stören die ländliche Ruhe.

Wäre nicht die Geliebte des Ministers in den Fall verwickelt, wäre er schon längst ad acta gelegt worden. Der Städter Kayo, Gerichtsmediziner und Anhänger wissenschaftlicher Vernunft, wird mit der Aufklärung beauftragt – schwierig für jemanden, der nicht unbedingt an Übersinnliches glaubt und zugleich von seinem Vorgesetzten an der kurzen Leine gehalten wird. Als die Situation immer unfassbarer wird, müssen Kayo und seine Ermittler einsehen, dass westliche Logik und politische Bürokratie ihre Grenzen haben.

 

Über Nii Parkes

parkesNii Parkes wurde 1974 in Großbritannien geboren und wuchs in Ghana auf. Er schreibt Prosa und Lyrik und performt seine Texte auf den Bühnen von New York, London, Amsterdam und Paris. Nii Parkes ist Champion des Farrago UK Poetry Slam. »Die Spur des Bienenfressers« ist sein erster Roman. Er lebt in London und Accra.

 

 

 

Leseprobe

Es war an einem Sonntag, nur eine Woche vor Kru-kwasi, dem Sonntag, an dem es tabu ist, über Tote und Beerdigungen zu sprechen. Sieben Tage, bevor wir für die auf der anderen Seite Getränke ausschenken. Ich bin mir ganz sicher, was diesen Tag betrifft, aber wenn ihr mir nicht glaubt, braucht ihr nur bei den Bono nachfragen, die seit Jahrhunderten für die Ashanti-Könige die Tage festgehalten haben.

Wir waren, wo immer wir waren, als sie kam. Die mit den Augen, die nie zur Ruhe kamen. Ich selbst trat aus der Hütte des Palmweinzapfers. (Die Frau, die Palmwein verkauft, macht sonntags nicht auf. Sie hat sechs Jahre lang in der Großstadt, in Accra, gelebt, und als sie wieder zurückkam, wollte sie sonntags nicht arbeiten. Bevor sie in die Stadt zog, hat sie am Straßenrand Tomaten verkauft, aber das ist eine andere Geschichte.) Der Palmweinzapfer gab mir eine große Kalebasse von seinem Spezialwein, und ich war auf dem Weg zu meiner Hütte, als ich diese Frau kreischen hörte wie eine Rohrratte in der Falle. Ich spiel mit meinem Palmwein nicht herum, nie, also stellte ich die Kalebasse in meiner Hütte ab und ging zum Tweneboa-Baum auf dem Dorfplatz hinüber.

Sie hatte einen von diesen ganz kurzen Röcken an. Man konnte die Schenkel sehen, aber ihre Beine waren wie die Vorderbeine einer Babyantilope – spindeldürr (später hab ich dann erfahren, dass sie die Freundin von einem Minister war. Hmmm. Die Welt ist voller Wunder). Ihr Fahrer war wie so ein Kolonialheini von Kopf bis Fuß in Khaki eingekleidet. Er wollte sie festhalten, damit sie aufhörte, aber die Frau schüttelte den Kopf und schrie weiter. Dann kriegte sie sich doch wieder ein und rannte zu einem hellen Auto am Straßenrand hinüber, und der Fahrer hinterher wie ein Staubwolke.

Als ich die Kinder fragte, Oforiwaa, Kusi und die Zwillinge Panyin und Kakra, die auf dem Dorfplatz spielten, was los sei, sagten sie, der cremefarbene Benz hätte angehalten, und die Frau wäre einem Vogel mit einem blauen Kopf gefolgt (es stimmt, in unserem Dorf gibt es viele herrliche Dinge) und hätte sich dann die Nase zugehalten. Sie hätte ihren Fahrer gerufen, und beide wären wie Hunde einer Fährte gefolgt, bis sie zu Kofi Attas Hütte kamen. Sie hätten »Agoo!« gerufen, aber niemand hätte geantwortet. Dann hätte der Fahrer die Matte am Eingang hochgehoben, und die Frau wäre hineingegangen. Und gleich darauf hätte sie angefangen zu schreien. Es war immer noch Vormittag, und ihr Schrei ließ den Wald verstummen. Aber was passierte, als sie wieder weg waren, ist noch seltsamer. Es ist wahr, selbst der Adler hat nicht alles gesehen.