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Abani, Chris (Nigeria)

abani. gracelandGraceLand

Aus dem Englischen von Thomas Brückner

C.H.Beck, München 2004

Signatur: Lit Afr 256

 

„Chris Abanis ‚Graceland‘ gewährt einen wunderbar detailreichen, ergreifenden und absolut faszinierenden Blick in eine andere Kultur und zeigt, wie sie von unserer eigenen fremdbestäubt wird.“ T.C. Boyle

 

Chris Abanis Debütroman erzählt die Geschichte von Elvis Oke, einem Teenager, der im chaotischen, überquellenden und bunten Ghetto Maroko in Lagos, der Hauptstadt Nigerias, sein hartes Leben führt. Von amerikanischen Filmen, Büchern und Musik inspiriert, versucht sich Elvis, die Haut mit Schichten von Make-up weiß geschminkt, als Elvis-Presley-Imitator durchzuschlagen und ein paar Dollars von Touristen zu ergattern – stoisch, unermüdlich zu blechernen Radioklängen übend. Er hat zu kämpfen mit seinem gebrochenen Vater, der Stiefmutter und seinen Stiefgeschwistern und der Gewalt des täglichen Lebens unter einem brutalen Regime. Dann läßt sich Elvis, von ständigen Geldsorgen geplagt, zu einer Reise in Lagos‘ kriminelle Unterwelt überreden – beschützt vom „König der Bettler“, einem rätselhaften und loyalen Freund. Vor dem Zugriff des Staates und der Inhaftierung kann er Elvis dennoch nicht bewahren. Elvis übersteht, wie Chris Abani selbst, die Haftzeit und die Folter, kann sich retten und seinen eigenen Weg nach „GraceLand“ finden. Ein gleichzeitig lyrischer und hochspannender, exotischer und realistischer, manchmal komischer und bewegender Roman ist Chris Abani hier gelungen, der kunstvoll afrikanische Themen und Elemente in den vielstimmigen Erzählfluß integriert. „GraceLand“ ist ein Entwicklungs- und ein Vater-Sohn-Roman, der zugleich ein Bild vom postkolonialen Afrika zeichnet, durch das sich dieser nigerianische Simplicissimus seinen Weg bahnen muß.

 

Über den Autor Chris Abani

Chris Abani, 1967 in Nigeria geboren, veröffentlichte mit 16 Jahren seinen ersten Roman und wurde zwei Jahre später wegen dieses Buches inhaftiert und gefoltert. 1991 konnte er das Land verlassen, lebte zunächst in England und jetzt in den USA. Er erhielt das Lannan Literary Fellowship für den Gedichtband "Daphne’s Lot", den PEN USA West Freedom to Write Award und den Prince Claus Award. (Stand 2004)

 

Rezensionen


"Die vielen Extras geben „GraceLand“ beinahe einen Handbuchcharakter, letztlich dienen sie aber nur als retardierendes Moment für die unglaublich rasante Handlung des Buchs. Es wäre sonst zu atemlos, denn Elvis durchlebt eine verdichtete Realität, in der alle Extreme des heutigen Nigeria vereint sind. „GraceLand“ ist ein Rocksong mit Zertrümmerung der Instrumente am Ende des Stücks."

Katrin Schings, Berliner Zeitung, 30. Dezember 2004

"Es ist diese offenbar unverwundbare Stimme, die den gesamten Roman trägt. Wenn sich auch allenthalben pikareske Momente finden, überwiegt doch das Spiel mit einer eigentümlich säkularisierten heilsgeschichtlichen Dimension: Abani konturiert seinen Helden als Erwählten inmitten einer irrationalen Gesellschaft. (...) Und Abanis mit allen poetischen Wassern gewaschener Roman, das war allenfalls zu hoffen, erfüllt tatsächlich sein eigenes Motto, das er dem Beatpoeten Imamu Amiri Baraka entliehen hat: ‚Dies sind Worte von Liebenden, von Tänzern, von Sängern mit Dynamit in der Stimme. Es sind, wenn ihr die Musik dazu habt, Lieder.‘"

Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. November 2004

"Was passieren muss, damit Elvis Aron Presleys Soul und Spirit in Afrika Anklang finden und es zu einer Art interkontinentaler Sinnstiftung im Pop-Business kommt, das schildert der nigerianische Autor Chris Abani in seinem Roman GraceLand, einer großen Geschichte, geschrieben in einem eigenen, zwingenden, atemberaubenden Rhythmus, in der harten, rauen, schwitzenden, blutenden Melodie eines armseligen, verkommenen, himmelhochjauchzenden Daseins am schwarzen Horizont. Der Traum der Armen und Gläubigen: monumental! GraceLand, Abanis Debüt als Romanautor, ist eine Art afrikanischer Beat-Roman, der so gut wie an allen amerikanischen Autoren der Weltklasse geschult ist. Es ist die Ghetto-Saga eines modernen nigerianischen Simplicius Simplicissimus im äquatorialen Betondschungel – einige hundert Jahre später, in einem Tausende Kilometer entfernten Land. Aber man muss, als Leser, des Träumens müde sein, des Träumens von einer heilen Welt. Die gab es schon zu Grimmelshausens Zeiten nicht, eigentlich noch nie und vor allem schon gar nicht dort, wo »GraceLand« liegt."

Ludwig Fels, Die Zeit, 7. Oktober 2004