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Jubiläumskalender 2020

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Jansen, Hanna. Über Tausend Hügel wandere ich mit dir

jansen. ber tausend hügel wandere ich mit dirThienemann Verlag, Stuttgart/Wien 2002
366 Seiten
Ab 13 Jahren. Ruanda

 

 

 

 

 

 

Sorglos und behütet wächst Jeanne mit ihren beiden Geschwistern im afrikanischen Ruanda, dem Land der tausend Hügel, auf. Ihre Eltern sind Lehrer und die Familie gehört dem Stamm der Tutsi, einer ruandischen Minderheit, an. Jeannes Leben ändert sich radikal, als im April 1994 – von der Welt kaum wahrgenommen – das Unfassbare geschieht: Ein Völkermord. Bisher friedliche Hutu bringen ihre Tutsi-Nachbarn um. Fast eine Million Menschen verlieren ihr Leben.

Dies ist die Geschichte eines Kindes, das davongekommen ist. Und trotz allem ist es eine Geschichte, in der auch Hoffnung und Liebe überleben.

 

Auszeichnungen

• Ausgezeichnet mit dem Buxtehuder Bullen als bestes Jugendbuch 2002
• Gold Medal Independent Publisher Book Award 2007
• Foreword Magazine's Book of the Year Award 2007
• PMA Ben Franklin Award 2007
• Named to the ALA Best Books for Young Adults (BBYA) 2007 list
• Named to the 2007 United States Board on Books for Young People (USBBY)/Children's Book Council (CBC) list
• Named to the 2007 Edition of the best Children's Books of the Year as a title with Outstanding Merit

 

Leseprobe

Als sich wenig später lärmend eine Fahrzeugkolonne näherte, unterbrachen die Mädchen ihr Spiel. Vier Lieferwagen rollten an. Mit aufbrausenden Motoren fuhren sie ein paar Mal hin und her und hinterließen tiefe Reifenspuren im durchnässten Boden. Auf ihrer offenen Ladefläche saßen oder standen junge Männer. Wilde Haufen, bewaffnet mit Gewehren, Granaten, Macheten und Äxten. Köpfe und Gesichter unter dichten Hauben aus Gras und Blättern getarnt. Sie johlten ein Lied und trommelten dazu auf den Seiten der Ladefläche. Stießen ein durchdringendes Geheul aus, indem sie mit der flachen Hand leicht gegen ihre Lippen schlugen. Gleichzeitig reichten sie Bananenbier herum, kippten es in sich hinein und prosteten sich zu, als gäbe es etwas zu feiern. Auf jeder der Ladeflächen befand sich ein Megaphon. Lauthals sangen sie:

Muze tubatsemba tsembe
muze tubamene ibitwe
muze twishyirehamwe
Interahamwe turaganje
Interahamwe twaratsinze
Kommt, wir rotten sie alle aus,
kommt, wir schlagen ihnen die Köpfe ab,
kommt, wir tun uns zusammen.
Wir Interahamwe haben uns verbreitet.
Wir Interahamwe haben gewonnen!


Autokonvois wie diese hatte Jeanne schon einige Male gesehen. In den letzen Monaten häufiger. Doch den genauen Wortlaut der Parolen, die, oft begleitet von flotter Radiomusik, durch die Megaphone weithin hörbar ausgerufen wurden, hatte sie nie wirklich in sich aufgenommen. Manchmal waren die Kinder bei solchen Anlässen früher von der Schule nach Hause geschickt worden. Fast gleichzeitig wendeten nun die Fahrzeuge, rollten zielgerichtet auf das Eukalyptuswäldchen zu und bremsten unmittelbar vor den Löchern, wo die Männer aufgehört hatten zu graben. Pfützenwasser spritzte nach allen Seiten.


„Lasst euch nicht stören!", dröhnte es aus einem der Megaphone.
„Wisst ihr, was ihr da tut? Ich wette, ihr wisst es nicht!"
Gelächter. Geheul.
„Wir werden es euch sagen. Die Löcher da, die sind für euch! Grabt schön tief, damit ihr alle rein passt!"
Wieder Gelächter. Ein Hupkonzert. Dazwischen schrillten Trillerpfeifen. Und während sie langsam zurücksetzten, stimmten sie von Neuem ihren Gesang an.
„Wir kommen zurück! Morgen wird hier ein Friedhof sein!"
Mit diesem Ruf, der über den Vorplatz hallte, entfernten sie sich.

Ihr kurzer Auftritt hatte alles zum Stillstand gebracht. Wie leblos blieben die Menschen zurück. Und noch eine ganze Weile, nachdem die Interahamwe fort waren, hielt dieser Zustand an. Jeanne, Claudine und Saphina aber nahmen ihr Hüpfspiel wieder auf, als wäre nichts geschehen. Sie spielten bis zum Mittag und vergaßen sogar zu essen.

Als ein leichter Regen einsetzte, ging Jeanne ins Haus. Nach der nächtlichen Begebenheit mit Susanne hatte sie sehr lange wach gelegen und nun war sie plötzlich ungewöhnlich müde. Trotz der Unruhe, die sie umgab, schlief sie schnell ein.

 

Presse

Ich habe selten ein Afrikabuch gelesen, bei dem man nicht merken würde, dass der Autor, die Autorin Europäerin ist. ,Über tausend Hügel wandere ich mit dir' hätte von einer Afrikanerin geschrieben sein können.

(Dr. Gaby Mayr, Afrika-Expertin des Deutschlandfunks)

Angesichts der schrecklichen Eindrücke scheint es unvorstellbar, dass Überlebende solcher Tragödien irgendwann über die Erlebnisse hinwegkommen oder sogar wieder lachen können. Den Weg zurück zur Normalität und Lebensfreude beschreibt Hanna Jansen in ihrem Buch ,Über tausend Hügel wandere ich mit dir'.

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Das Buch lässt seine Leser nicht ohne Hoffnung zurück. Als eines der ganz wenigen Jugendbücher zum Thema Afrika ragt es deutlich aus der Masse der Trendthemen heraus.

(Frankfurter Neue Presse)

Hanna Jansens Roman geht unter die Haut und zeigt, wie wichtig es ist, sich zu erinnern, um das Geschehene zu verarbeiten.

(Bonner Generalanzeiger)

Intensive Gespräche zwischen der Autorin und ihrer Adoptivtochter waren die Grundlage für dieses einmalige Buch, bei dem der Leser vor Erschütterung den Atem anhält, den Kopf schüttelt und Übelkeit verspürt. Und trotz allem überlebt die Hoffnung, die Liebe und die Lebensfreude, die Jeanne heute verkörpert. Sie überträgt sich auf den Leser.

(Kölner Stadtanzeiger)

Die heute selbstbewusste 16-Jährige (...) wollte, dass den Toten, die nie begraben wurden, ein Denkmal gesetzt wird. Das ist geschehen: In Form dieses Tatsachen-Romans.

(Emma)

Anders als bei einer Zeitungsnotiz kann man sich durch dieses Buch ganz mit dem Schicksal eines Menschen verbinden, wodurch der Verdrängungsmechanismus keine Chance mehr hat. Es rüttelt auf und zugleich bleibt das Staunen über das Wunder, das über dem Leben dieses starken Mädchens liegt.

(Litterula)

So mitfühlend und einprägsam vermittelt uns kein Fernsehbericht, was es heißt, buchstäblich alles zu verlieren, und wie grausam auch das Überleben sein kann. (...) Spannung, Welterfahrung und Emotionalität charakterisieren dieses beindruckende Jugendbuch, das Eltern unbedingt mitlesen sollten!

(Urs Umsand)

,Ich werde dir zuhören. Ich werde versuchen, das Unbegreifliche aufzunehmen', schreibt Hanna Jansen in ihrem Vorwort. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, und dennoch ist es der Autorin gelungen, das Unfassbare ohne Verharmlosung und dennoch mit dem nötigen Respekt in Worte zu fassen.

(Stuttgarter Zeitung)

Hanna Jansens Werk ist ein erschütterndes Dokument der Zeitgeschichte. Sprache und Stil sind schnörkellos.

(Stuttgarter Nachrichten)